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Kann der Mensch sein Gehirn verändern?

Die Veränderung von Gehirn und Psyche ist sicher keine Einbahnstraße. Neuronale Prozesse verändern und gestalten unsere psychischen Vorgänge, ja schaffen überhaupt erst die Grundlage dafür, und umgekehrt verändern wir durch unser Denken, Erleben und Verhalten unser Gehirn, d.h. seine neuronale Vernetzung, seine Aktivierungsmuster und Struktur. Wir sind auf gutem Wege zu verstehen, was hier passiert, nicht nur im Gehirn, sondern auch im eng damit vernetzten Immun- und Endokrinsystem. Und wir sind philosophisch auf der sicheren Seite, wenn wir von synchronisierten und korrelierten Prozessen in Gehirn und Psyche sprechen. Problematisch wird es, wenn wir von Kausalität sprechen, also in Anspruch nehmen wollen, dass neuronale Prozesse mentale Prozesse „machen“ und umgekehrt, dass mentale, also nicht-materielle Prozesse physikalisch-chemische Wirkungen haben. Und fraglich ist auch, wie weit solche Veränderungen reichen, wo also die Grenzen der Veränderbarkeit liegen. Inwieweit können wir unser Verhalten und Denken tatsächlich steuern und beeinflussen? Können wir unsere Persönlichkeit ändern und korrigierend auf unser seelisches Gewordensein Einfluss nehmen? Lassen sich Gefühle und Emotionen beeinflussen? Die Frage nach der Veränderbarkeit zielt also nicht nur von der Psyche auf das Gehirn, sondern ist auch innerhalb des Psychischen spannend: Wie und wodurch können wir unser Denken und Verhalten, ja unseren Charakter und unsere Persönlichkeit ändern? Wir werden diese Frage nicht zuletzt aus der Perspektive der Selbstorganisation diskutieren, denn Psyche und Gehirn sind komplexe, nichtlineare - und damit schwer vorhersehbare und schwer von außen steuerbare Systeme. Die Konsequenzen für die Erziehung, aber auch für Psychotherapie bestehen darin, die geeigneten Bedingungen für solche Selbstorganisationsprozesse zu schaffen.

14:45 - 15:30


Günter Schiepeck

 
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